Moro Reflex

Der Moro-Reflex setzt 9-12 Wochen nach der Empfängnis ein und ist bei der Geburt normalerweise voll entwickelt. Es ist der Alarm-Reflex des Babys. Da ein Neugeborenes kein rationales Denken hat, wird es durch einen Alarm-Reflex geschützt, der von einem Übermaß an Informationen auf einen der Sinne des Babys ausgelöst wird. Ein lautes Geräusch, helles Licht, eine plötzliche grobe Berührung oder plötzliche Reizung des Gleichgewichts-Mechanismus (Fallen oder Kippen) aktiviert diesen Reflex. Er stellt eine Reaktion auf eine Bedrohung dar, auf die das Baby mit der Schreck-Reaktion antwortet, gefolgt von der schützenden Haltung der fötalen Position.

Es biegt den Kopf nach hinten, hebt die Arme nach oben und zurück, breitet die Hände aus und schnappt nach Luft, dann krümmt es sich nach vorne, zieht seine Beine an, legt seine Arme vor die Brust und atmet mit einem Hilfeschrei aus. Die erste Phase würde beim Fallen helfen, während die zweite Phase wirkt, als ob es sich Hilfe suchend an die Mutter klammert, um die inneren Organe zu schützen. Durch die Integration dieser zwei aufeinanderfolgenden geordneten Bewegungen als Antwort auf den Stressauslöser bereitet sich der Körper des Kindes unabhängig vom den Alarm auslösenden Faktor vor.

Wenn der Moro-Reflex länger bis zum Alter von drei bis sechs Monaten fortbesteht, wird er zu einer automatischen, unkontrollierbaren Überreaktion. Diese ist stark genug, um die neuen operativen Entscheidungsfindungs-Zentren im Gehirn außer Kraft zu setzen. Dies kann beim Kind (oder Erwachsenen) zur Reaktion auf einen zu starken Sinnes-Reiz führen. Diese Überempfindlichkeit (auf Licht, Ton, Berührung oder Stress) kann aufzeigen, welche Rückzugs-Strategien das Kind ausbildet, um Situationen aus dem Weg zu gehen, die die meisten Kinder spannend finden würden. Sie zeigen in der Regel Schwierigkeiten, sich anzupassen, Probleme mit dem Geben oder Annehmen von Zuneigung und fühlen sich bei neuen oder anregenden Erfahrungen nicht wohl.

„Kampf oder Flucht“-Antworten bereiten den Körper auf Kämpfen oder Weglaufen vor. Das geht einher mit einer Ausschüttung von Adrenalin in die Blutbahn, das so viel Energie bereitstellt, dass man sich sofort einer beunruhigenden Situation entziehen kann. Der Moro-Reflex löst ebenfalls diese Reaktion aus, wird aber durch eine Überempfindlichkeit auf gefühlsmäßige Stimulationen ausgelöst. Daher verursacht dieser Reflex häufig eine der Situation unangemessene Reaktion. In diesem Fall ist das Kind (oder der Erwachsene) möglicherweise eine aggressive, überreaktive, höchst reizbare Person, die nicht in der Lage ist, abzuschalten und zu entspannen. Die Reaktionen dienen nur dem Überleben (Kampf oder Flucht). Das kann zulasten des eigenen Weitblicks und der Sensibilität für die differenzierte Wahrnehmung der Umwelt gehen, daher kann die Person mit ihrem sozialen Umfeld Mühe haben (Schule, Spielplatz, Arbeitsplatz). Das Kind (oder der Erwachsene) kann sehr schwer zu verstehen sein. Es kann lieb, scharfsinnig und fantasievoll, aber gleichzeitig unreif, überreagierend und aggressiv sein.

Der Moro-Reflex kann mehrmals am Tag ausgelöst werden, was eine konstante Belastung der Nebennieren bedeutet, die dadurch ermüden können. Da diese Drüsen im Immunsystem eine wichtige Rolle spielen, können bei einer Person chronischen Erkrankungen und Allergien auftreten, wenn die Nebennieren erschöpft sind.

Wenn nach der Therapie ein unangemessener Moro-Reflex beginnt, sich zu integrieren, gibt es möglicherweise Veränderungen des emotionalen Zustands oder im Verhalten. Emotionale Höhen und Tiefen treten häufig auf, da das Nerven- und Hormonsystem sich anpasst. Dies ist eine normale und nur kurze Phase der Integration. Mit einem persistierenden Moro-Reflex hat das Kind möglicherweise nie vollständig die Orientierungsphase der Entwicklung („Trotzphase“) erlebt. Bei Integration des Moro-Reflexes hat das Kind (oder der Jugendliche oder Erwachsene) die Möglichkeit, diese wichtige Entwicklungsphase nachzuholen.