Der Palmar-Reflex

Der Palmar-Reflex ist der infantile Greif-Reflex. Er ist bedeutsam für die Entwicklung der Feinmotorik und die Verbesserung der sog. Stereognose (die Möglichkeit, ein Objekt nur durch Fühlen zu erkennen) und des sensorischen Inputs. Der Reflex zeigt sich zuerst 11 Wochen nach der Empfängnis und ist bei der Geburt vollständig vorhanden. Dieser frühkindliche Reflex sollte im Idealfall während des zweiten oder dritten Lebensmonats integriert werden. Wurde der Palmar-Reflex nicht entsprechend integriert, dann wird bei den Kindern beobachtet, dass sie nur mit Mühe schreiben und ihre Gedanken zum Ausdruck bringen können.

Als Baby haben wir einen aktiven Palmar- oder Greif-Reflex. Wenn die Innenfläche der Babyhand gestreichelt wird, biegt es die Finger (außer dem Daumen) in Richtung der Handfläche im Versuch, das zu greifen, was die Stimulierung verursacht hat. Als motorische Steuerung durch die korrekte neuronale Entwicklung verbessert, reift der Palmar-Reflex zum Zangen-Griff. Normalerweise findet diese Transformation zwischen dem vierten bis sechsten Lebensmonat statt. Man sieht dann, wie das Kind die drei anderen Finger beugt und versucht, mit dem Zeigefinger zu wackeln. Viele Kinder integrieren den Reflex nicht über diesen Punkt hinaus und können dann keine unabhängigen Fingerbewegungen entwickeln.

Diese Kinder zeigen in ihrer Entwicklung oft eine schlechte Handschrift, aber noch wichtiger ist ihre geringe Fähigkeit, Ideen zu verarbeiten und dann aufzuschreiben. Wörter zu kopieren fällt ihnen leicht, aber die Rechtschreibung fällt ihnen schwerer und ist im Ergebnis chaotisch. Aufsätzen fehlt es an Details, sie sind nicht so flüssig als würde das Kind „die Geschichte mündlich erzählen“. Darüber hinaus wird das Kind Probleme bei Computerspielen, beim Spielen eines Instruments oder bei der Ausführung feinmotorischer Aufgaben wie das Spielen mit Knete oder beim Modellbau haben. Ein persistierender Palmar-Reflex hat dauerhafte negative Auswirkungen auf die feine Muskel-Koordination, die Sprache und Artikulation.

Bei Erwachsenen hören wir oft „mein Rücken tut weh, wenn ich vor meinem Computer sitze“. Die Eingabe erfordert unabhängige Fingerbewegungen, ähnlich wie beim Spielen eines Instruments. Bei diesen Menschen könnte die Core-Muskulatur, die die Wirbelsäule während dieser Aufgaben unterstützt, eine schlechte Haltung bedingen. Dies wird möglicherweise besonders deutlich bei Büroangestellten und Musikern, die über Symptome klagen, die mit schwacher Core-Stabilität einhergehen, wie Rückenschmerzen, Blasenschwäche oder Müdigkeit beim Arbeiten.