Asymmetrischer Tonischer Nacken Reflex (ATNR)

er ATNR beginnt ca. 18 Wochen nach der Empfängnis. Er sollte bei der Geburt vollständig vorhanden sein und scheint die aktive Teilnahme des Babys am Geburtsvorgang zu unterstützen.

Wenn ein Neugeborenes seinen Kopf zur Seite dreht, streckt es den Arm und das Bein auf derselben Seite nach außen, zu der der Kopf gedreht wird, während es den gegenüberliegenden Arm und das Bein heranzieht. Der ATNR-Reflex bleibt nach der Geburt erhalten und spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Hand-Augen-Koordination sowie der Objekt- und Distanz-Wahrnehmung. Dies geschieht normalerweise bis zur Mitte des ersten Lebensjahres; dann wird der Reflex zunehmend überflüssig, bald darauf erfolgt seine Integration.

Besteht der Reflex fort, erschwert er das durch die Hand-Augen-Verbindung koordinierte Krabbeln. Beim Gehen stört ein Drehen des Kopfes (was zur Streckung von Arm und Bein auf der gleichen Seite führt) die Balance und das normale Lauf-Muster.

Sobald die Hand-Auge-Beziehung in den ersten Monaten hergestellt wurde, bewirkt die ATNR-Funktion, den Blick auf etwas zu fixieren, was das Interesse erregt hat. Dies verstärkt die Distanz-Wahrnehmung. Wenn der ATNR unsachgemäß persistiert, wird das Kind (der Erwachsene) nicht so leicht abgelenkt von Dingen, die seine Aufmerksamkeit erregen.

Mit persistierendem ATNR sind möglicherweise Aufgaben schwierig durchzuführen, die gleichermaßen die linke und rechte Seite des Körpers benötigen. Dazu gehören Ohren und Augen sowie die Gliedmaßen; das kann es erschweren, eine Dominanz einer Seite in Bezug auf Auge oder Hand zu unterscheiden. Ein Drehen des Kopfes kann bedingen, dass ein visuelles Bild kurzzeitig verschwindet oder Teile des Gesichtsfeldes übersehen werden. Das Folgen mit den Augen und eine Beurteilung der Distanz kann beeinträchtigt sein.

Jedes Mal, wenn der Kopf Richtung Schulter gedreht wird, bekommt der Arm das Signal sich zu heben und die Finger wollen sich öffnen. Beim Schreiben ist es daher eine enorme Anstrengung, die Hand auf dem Papier zu halten. Darüber hinaus werden die subtilen Bewegungen der Hand, wie sie für das Schreiben benötigt werden, noch schwieriger, wenn der Kopf sich zum Blick auf die Tafel und dann zurück auf die Hand bewegt. Um all das zu koordinieren, wird häufig ein übermäßig fester Griff und Druck auf den Stift, mit oder ohne geballte Faust, beobachtet. Es ist unnötig zu erwähnen, dass die Qualität und Quantität des Schreibens davon in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Akt des Schreibens erfordert immense Konzentration, was oftmals die gedankliche Verarbeitung des geschriebenen Inhalts beeinträchtigt. Natürlich begabte Geschichtenerzähler mit wunderbarer Gewandtheit der Rede, die nicht in der Lage sind, ihre Gedanken in schriftlicher Form zu äußern, werden wahrscheinlich einen persistierenden ATNR haben.

Es wurde klinisch festgestellt, dass bei Patienten mit einem persistierenden ATNR der Blick auf eine Hand eine neurologische Desorganisation und körperliche Schwäche verursachen wird. Das heißt, Körper und Geist geraten ‚durcheinander‘, wenn die Augen auf eine Hand blicken. Dies betrifft auch andere Hand-Augen-Prozesse, wie sie benötigt werden beim Schreiben, Zeichnen und Bälle fangen.

Erwachsene Sportler, die häufig unter wiederkehrenden Schulterverletzungen leiden, haben einen persistierenden ATNR. Da ihre Hände und Augen nicht unabhängig voneinander funktionieren, ergibt das eine konstante Spannung, die die feine Balance stört, die für eine reibungslose Kopf-, Augen-, Arm- und Hand-Koordination nötig ist. Das kann zu Strukturproblemen führen, wodurch die sportliche Leistung beeinträchtigt werden kann.